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Charlotte Buchholz

Das Corona-Virus hat das kulturelle Leben fast lahmgelegt, aber eben nur fast. Die findigen Macher vom Moritzhof haben als Alternative HOF ON AIR ins Leben gerufen - und das neue Format  lebt und belebt die Magdeburger Kulturszene. Hier das Video von meiner Lesung am 15. April um 19:30, zu der ich als Gast meinen "Ugo" mitbringen durfte.


Statt der Leipziger Buchmesse gab es am 12. März 2020 von Zwölf bis Zwölf die Magdeburger-Mini-Messe in der Festung Mark, so dass die Autorinnen und Autoren ihre neuen Bücher den Magdeburgern vorstellen konnten. Ich war mit meinem neuen Buch "Wenn sich die Welle legt" dabei.



„Wer bist du?

Ich bin Kairos, der alles bezwingt!

Warum läufst du auf Zehenspitzen?

Ich, der Kairos, laufe unablässig.

Warum hast du Flügel am Fuß?

Ich fliege wie der Wind.

Warum trägst du in deiner Hand ein spitzes Messer?

Um die Menschen daran zu erinnern, dass ich spitzer bin als ein Messer.

Warum fällt dir eine Haarlocke in die Stirn?

Damit mich ergreifen kann, wer mir begegnet.

Warum bist du am Hinterkopf kahl?

Wenn ich mit fliegendem Fuß erst einmal vorbeigeglitten bin,

wird mich auch keiner von hinten erwischen

so sehr er sich auch bemüht.

Und wozu schuf Euch der Künstler?

Euch Wanderern zur Belehrung.“

Johannes Gründel



»Kairos» - Fundstück  und Motto



Als ich »Kairos«, dem Hauptstück der ständigen Ausstellung im Benediktinerinnen-kloster Trogir, Kroatien, im Urlaub an einem sehr heißen Tag im kühlen Klosterraum gegenüber stand, war ich verzaubert. Eine freundliche Nonne hat die Figur in Gips behutsam verpackt, und ich habe sie mit nach Hause genommen. Wie vielen günstigen Augenblicken - sie treten uns schicksalhaft und natürlich unangekündigt entgegen - bin ich wohl in meinem Leben schon begegnet und habe sie verpasst?


Die Kairos-Geschichte der griechischen Mythologie begleitet mich jedenfalls seither durch das Leben. Sie spricht auch davon, dass es neben der gemessenen, der offensichtlichen Zeit - für die Chronos steht - einen weiteren Aspekt gibt: eine Zeitqualität. Vielleicht ist es eine hohe Kunst zu erkennen, wann der richtige Moment gekommen ist? Ich bin auf jeden Fall dankbar, erkannt zu haben, dass ich in dem mir verbleibenden Leben literarisch schreiben muss.  


Foto: Hl. St. Laurentius, Trogir