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Charlotte Buchholz

Präsentiert vom Literaturhaus Magdeburg:
"Neu im Bücherregal SPEZIAL"

Der Vorsitzende des Fördervereins der Schriftsteller e.V. Herbert Beesten und Ursula Günther als Stellvertreterin - deshalb hier mit bürgerlichem Namen - im Gespräch mit dem derzeitigen Stadtschreiber Magdeburgs, Jörg Menke-Peitzmeyer. Die Stadtschreiber werden vom Förderverein regelmäßig zu einer ihrer monatlichen Zusammenkünfte eingeladen. Das war bisher wegen der Coronabeschränkungen nicht möglich. Also haben wir unser noch junges Format "Neu im Bücherregal" für ein Gespräch zu Dritt genutzt. Es waren kurzweilige 45 Minuten.
Wir danken dem Stadtschreiber, dem Literaturhaus und dem Offenen Kanal für diese Möglichkeit.


„Wer bist du?

Ich bin Kairos, der alles bezwingt!

Warum läufst du auf Zehenspitzen?

Ich, der Kairos, laufe unablässig.

Warum hast du Flügel am Fuß?

Ich fliege wie der Wind.

Warum trägst du in deiner Hand ein spitzes Messer?

Um die Menschen daran zu erinnern, dass ich spitzer bin als ein Messer.

Warum fällt dir eine Haarlocke in die Stirn?

Damit mich ergreifen kann, wer mir begegnet.

Warum bist du am Hinterkopf kahl?

Wenn ich mit fliegendem Fuß erst einmal vorbeigeglitten bin,

wird mich auch keiner von hinten erwischen

so sehr er sich auch bemüht.

Und wozu schuf Euch der Künstler?

Euch Wanderern zur Belehrung.“

Johannes Gründel



»KAIROS» - Wie ein Fundstück zum Motto wurde


Als ich »KAIROS«, dem Hauptstück der ständigen Ausstellung im Benediktinerinnenkloster Trogir, Kroatien, im Urlaub an einem sehr heißen Tag im kühlen Klosterraum gegenüber stand, war ich verzaubert. Eine freundliche Nonne hat die Figur in Gips behutsam verpackt, und ich habe sie mit nach Hause genommen. Wie vielen günstigen Augenblicken - sie treten uns schicksalhaft und natürlich unangekündigt entgegen - bin ich wohl in meinem Leben schon begegnet und habe sie verpasst?


Die Kairos-Geschichte der griechischen Mythologie begleitet mich jedenfalls seither durch das Leben. Sie spricht auch davon, dass es neben der gemessenen, der offensichtlichen Zeit - für die Chronos steht - einen weiteren Aspekt gibt: eine Zeitqualität. Vielleicht ist es eine hohe Kunst zu erkennen, wann der richtige Moment gekommen ist? Ich bin auf jeden Fall dankbar, erkannt zu haben, dass ich in dem mir verbleibenden Leben literarisch schreiben muss.  


Foto: Hl. St. Laurentius, Trogir