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Charlotte Buchholz

Public Poetry Scream am Hundertwasserhaus

Wer schon immer mal gern auf einer Bühne stehen wollte, ein Lieblingsgedicht hat, selbst Gedichte oder Kurzprosa verfasst, der ist richtig beim neuen Format des Fördervereins der Schriftsteller e.V. vom 15. August 2020 bis zum 30. Oktober 14 bis 14:45 Uhr, Erhard-Hübener-Platz. Jeweils ein Autor des Vereins wird moderieren. Ich werde 12. September und am 10. Oktober als Moderatorin und vielleicht auch Vortragende - dann als Charlotte Buchholz - mit dem Mikro dabei sein. Interessierte können spontan kurze Texte lesen, vortragen, performen. Wir möchten dabei mit Literaturinteressierten ins Gespräch kommen, Literatur in die Öffentlichkeit bringen und den Förderverein der Schriftsteller bekannter machen. 

Die ungeschriebenen Gesetze für das Format Public Poetry Scream:


  • Kein Wettbewerb, kein Eintritt
  • jeder kann mitmachen
  • Themen sind frei
  • alle Sprachen
  • alle Vortragsformen
  • Beitrag maximal fünf Minuten
  • Leitung durch einen Moderator


„Wer bist du?

Ich bin Kairos, der alles bezwingt!

Warum läufst du auf Zehenspitzen?

Ich, der Kairos, laufe unablässig.

Warum hast du Flügel am Fuß?

Ich fliege wie der Wind.

Warum trägst du in deiner Hand ein spitzes Messer?

Um die Menschen daran zu erinnern, dass ich spitzer bin als ein Messer.

Warum fällt dir eine Haarlocke in die Stirn?

Damit mich ergreifen kann, wer mir begegnet.

Warum bist du am Hinterkopf kahl?

Wenn ich mit fliegendem Fuß erst einmal vorbeigeglitten bin,

wird mich auch keiner von hinten erwischen

so sehr er sich auch bemüht.

Und wozu schuf Euch der Künstler?

Euch Wanderern zur Belehrung.“

Johannes Gründel



»KAIROS» - Wie ein Fundstück zum Motto wurde


Als ich »KAIROS«, dem Hauptstück der ständigen Ausstellung im Benediktinerinnenkloster Trogir, Kroatien, im Urlaub an einem sehr heißen Tag im kühlen Klosterraum gegenüber stand, war ich verzaubert. Eine freundliche Nonne hat die Figur in Gips behutsam verpackt, und ich habe sie mit nach Hause genommen. Wie vielen günstigen Augenblicken - sie treten uns schicksalhaft und natürlich unangekündigt entgegen - bin ich wohl in meinem Leben schon begegnet und habe sie verpasst?


Die Kairos-Geschichte der griechischen Mythologie begleitet mich jedenfalls seither durch das Leben. Sie spricht auch davon, dass es neben der gemessenen, der offensichtlichen Zeit - für die Chronos steht - einen weiteren Aspekt gibt: eine Zeitqualität. Vielleicht ist es eine hohe Kunst zu erkennen, wann der richtige Moment gekommen ist? Ich bin auf jeden Fall dankbar, erkannt zu haben, dass ich in dem mir verbleibenden Leben literarisch schreiben muss.  


Foto: Hl. St. Laurentius, Trogir