Rezensionen

Charlotte Buchholz

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Mario Schattney, Redakteur, Automatenmarkt Januar 2018

JANS BLINKENDE WELT

AUF DER ANDEREN SEITE

 

Kritik zum Erstlingsroman der Autorin Charlotte Buchholz

Wäre der Buchtitel nicht schon in der Literatur als Titel vergeben und stünde nicht das Risiko, in der "blinkenden Welt" zu leben, hätte der Roman sehr gut "Der Spieler" heißen können. Nach der Lektüre fühlt sich der Leser mit dem von der Autorin gewählten Untertitel sehr verstanden, ist von ihr doch mit DIE ANDERE SEITE das Leben eines Menschen, seine Haltungen und Beziehungen gemeint.

Sich als Autor mit Suchtverhalten in einem Roman zu befassen, Situationen darin zu komponieren, ist kein leichtes Unterfangen, kommt er doch nicht darum herum, den bekannten Weg in die Sucht zu beschreiben. Und so raffiniert er es denn auch für den verwöhnten Leser vorhätte – dann auf ein Happy End herauszukommen, sich nicht nur an der menschlichen Katastrophe zu weiden, das verlangt schon einiges Geschick ab, zumal als Debütantin.

 

In der darstellenden Kunst des Theaters sind es die Nebenrollen, in der Bildenden Kunst sind es der Raum und der Hintergrund, die das Bildobjekt oder den Protagonisten tragen und zur Geltung bringen: "… den König spielen die anderen …!"

Charlotte Buchholz scheint diese Erfahrung für sich umgekehrt zu haben. Es scheint, als nähme sie den Spieler mit nur sparsamen Beschreibungen - seines Äußeren, seines Verhaltens – heraus aus dem Roman, heraus aus meinem Mitgefühl für ihn, für sein Spielumfeld,. Seine Gewinne und Verluste, seine Schuld. Das hilft ihr, nicht unmittelbar nur die Sucht im Spiel zu meinen, sondern jegliche Sucht überhaupt, und so nicht ausschließlich die Hauptfigur als "Täter" zu belasten.

Der Leser selbst steht so dem Kreis der anderen Figuren gegenüber – einer Reihe mehr oder weniger angenehmer, krankhaft aufopferungsbereiter Typen, voller Galgenhumor, wie auch einer außergewöhnlichen, ihn zu Tränen rührenden, Figur.

Der Autorin gelingt es so, etwas zu schaffen, das sie möglicherweise nicht vorhatte – Kunst! Wie Picasso formulierte, nichts zu suchen, aber zu finden – so findet der Leser in diesem Roman – jeder für sich – was die Autorin wohl auch meinen könnte, mit einiger Sicherheit aber so nicht gesucht hat.

 

Jochen P. Heite, Maler, "black-painter"